Posts mit dem Label Pflanzenportrait werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Pflanzenportrait werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Kräuterweiber_letzter Teil



Der Holunder – die Pflanze vom richtigen Zeitpunkt
Ganz in der Gepflogenheit moderner Kräuterfrauen folgen zunächst die messbaren, nachweisbaren Fakten:
Der Holunder zählt zu den Geißblattgewächsen, Capirfoliaceae und tritt in Wäldern, an Flussufern sowie in Gärten und Anlagen in ganz Europa, West- und Mittelasien und Nordafrika auf. Es gibt weltweit rund 40 Holunderarten, wovon in unseren Breiten lediglich drei heimisch sind: der Rote oder Traubenholunder, Sambucus racemosa, der Strauchholunder, Sambucus ebulus und der in der Heilkunde verwendete Schwarze Holunder, Sambucus nigra. An einem ca. 3-8Meter hohen, flach wurzelnden astbesetzten Strauch oder Baum mit rissiger, hellbraun bis grauer Rinde. Die Rinde ist mit vielen Korkwarzen bewachsen, den sichtbaren Atmungsorganen, so genannten Lentizellen. Im hohlen Stängel findet sich ein weißes, leicht herauslösbares Mark. An den Ästen wachsen große, unpaarig angeordneten, 3- bis 7-zählig gefiederte Blätter. Im Frühjahr erscheinen große, in Trugdolden angeordnete flache Blütenstände mit gelblich-weißen, charakteristisch duftenden Blüten. Aus ihnen entwickeln sich im Herbst die schwarzen Holunderbeeren.
In der rationalen Phythotherapie finden sowohl Blüten als auch Beeren Anwendung. Die Blüten enthalten 0,7 bis 3,5% Flavonoide mit den Hauptkomponenten Rutin, ferner Isoquercitrin, Hyperosid u. a. Dazu ca 3% Hydroxyzmtsäurederivate (Chlorogensäure)  geringe Mengen ätherische Öle sowie Gerbstoffe, Phytosterine, Schleimstoffe, Triterpene, reichlich Kaliumsalze und schweißtreibend wirkende Glykoside.
Holunderblüten steigern die Abwehrkräfte und helfen bei starker Verschleimung., Husten und Stirnhöhlenentzündungen. Sie werden bei fieberhaften Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten angewendet. Auch als Blutreinigungsmittel bei Hautunreinheiten und üblem Körpergeruch finden Holunderblüten Anwendung.
Holunderbeeren enthalten Flavonoidglykoside wie Rutin, Isoquercitrin und Hyperosid, Anthocyanglykoside wie Sambucin und Sambucyanin. Das schwach giftige Sambunigrin baut sich erst bei Reife oder beim Kochen ab, daher sollten Holunderbeeren vorzugsweise in gekochtem Zustand angewandt werden. Weiter enthalten sind Zucker, organische Säuren wie Ascorbinsäure, Weinstein- und Valeriansäure, Bitterstoffe und Vitamine (A, B1, B2, C) 100 g. frische Beeren enthalten ca 65mg Vitamin B2, 18 mg Vitamin C und 17 mg Folsäure. Holunderbeeren werden als gekochter Saft bei Erkältungen und als mildes Abführmittel angewandt. Weiter dienen sie durch das Vitamin B der Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen. Aufgrund der zellschützenden Anthozyane setzt man Holunderbeeren in der Begleittherapie von Krebserkrankungen ein. Das enthaltene Kalium unterstützt die Ausscheidungsfunktionen und die Karotinoide die Funktion der Schleimhäute und den Sehpurpur der Augen.
Die Darreichungsformen  reichen von Tee über Bäder aus den Blüten bis zur Limonade oder Essig. Beeren werden meist als gekochter Saft dargereicht. [1]
Früher hatte der Holunder einen weitaus größeren Anwendungsbereich. Im Kräuterbuch von Dr. Losch[2] steht: Holunderblüten erweichen, lösen auf, mehren die Milch, lindern Schmerzen, treiben Schweiß. Der Tee wird besonders alten Leuten gegen Blutspeien und hartnäckigen Husten empfohlen.  Blüten gehören zum Eröffnungs- oder Gesundheitstee, zu den Hauptkräutern, zu den Kataplasmenstoffen, zu dem erweichenden Klistier zum erweichenden Gurgelwasser zu den zerteilenden Kräutern. Holunderblütentee ist auch ein Wundmittle zum Waschen und zum Klistier. Die Blätter in Milch gesotten führen ab, sie dienen auch zu Kataplasmen auf Brandwunden und Hämorrhoiden. Die zerquetschten grünen Schoße mit den Blättern, im Wintder die geschabte gründe Mittelrinde, dienen zum Auflegen auf entzündete Stellen und haben erprobte Wirkung. Die Mittelrinde der Wurzel dient besonders als Abführmittel. (Von Rudi Beiser wissen wir auch, dass die Richtung in die geschabt wurde eine Rolle spielte: Schaben zur Wurzel hin erzeugt Durchfall, schaben zur Spitze hin dagegen Erbrechen.)Die Beeren wirken giftwidrig, schweiß- und harntreibend, ruhrstillen.
Der Kräuterpfarrer Kneipp empfahl zur Frühlingskur Blutreinigungstee aus Holunderblättern und legte auch der Blüte reinigende Wirkung bei. Den Absud der Wurzel lobte er für Wassersucht und bestätigt damit, was schon Hippokrates erprobte, dass dieser Absud so kräftig Wasser austreibe, dass er kaum von irgendeinem andren Mittel übertroffen werde. Arme Leute kochten aus dem Saft mit Zucker eine Limonade, welche in Kühl- und Labetrunk war, der den Magen reinigt, auf die Harnausscheidung und günstig auf die Nieren wirkt. Die Gedörrten Beeren gekocht oder zu Tee abgesotten oder einfach gegessen wirken sehr gut bei heftigem Abweichen.
Zahlreiche Geschichten aus allen Völkern ranken sich um die Heilkraft und die Magie des Holunders:
Bei den Germanen und Slawen war der Holunder ein Lebensbaum der den Sippengeist beherbergte. Sie verehrten die Liebesgöttin Freya in seinen Zweigen, die als Hand, Ohr und Mund der Göttin galten. Niemand musste einen Holunder pflanzen denn die Göttin selbst fand den besten Platz für einen Holunderbusch.
In Schweden heißt es, wer am Mittsommerabend unter einem blühenden Holunder sitzt, der wird den König der Elfen mit seinem Gefolge vorbeiziehen sehen. Oder vielleicht ist es auch die Göttin, die da unter dem Holunder erscheint? 
Holunder wächst bevorzugt in der Nähe menschlicher Behausungen, er ist von alters her ein Begleiter der Menschen. In Nordeuropa, bei uns, sagte man Früher, dass Frau Holle (die Göttin Hulda) als Schutzgeist im Holunder wohnt. Sie schützte vor Feuer, Seuchen und jeglichem Unheil und schaute jeden Abend durch die Fenster um zu prüfen, ob alles in Ordnung war. Der Holunder als guter Haus- und Hofgeist nahm den Kindern die Alpträume. Das erste Badewasser eines Neugeborenen wurde unter den Holunderbusch geschüttet, damit das Kind gesund blieb. Damals durfte der Holderstock an keinem Bauernhaus fehlen; er gehörte zur Hausehre und böswillige Beschädigung desselben galt als persönliche Beleidigung. Der Holunderbusch macht in altem Glauben negative Energien und Unglück unschädlich, deswegen hat man ihm alle möglichen Leiden und Krankheiten „angehängt“: Alte Verbände oder eitrige Lappen wurden mit magischen Sprüchen an die Zweige gebunden um die Krankheit zu bannen. [3]
Auch in christlichen Zeiten war dies noch gebräuchlich:  „Guten Tag, Flieder, ich bring dir mein Fieber, ich binde es an und geh in Gottes Namen davon“  Vor einem derart Mächtigen Busch zog man ehrerbietig den Hut „Vor dem Holunder zieh den Hut herunter“. 
Holunder ist auch eine Schwellenpflanze und daher für mich ein Symbol der wieder entdeckten Tradition der Kräuterfrauen. Einige Anwendungen und Geschichten weisen besonders auf diese Eigenschaft: Gekochte schwarzen Beeren sind heilsam, die roten unreifen hingegen giftig. Der Baum ist schwer, zieht in die Tiefe, sein Holz hingegen ist leicht und luftig. Weiß wie die Unschuld, das beginnende Leben, schwarz wie der Tod ist seine Signatur mit den weißen Blüten und den schwarzen Beeren ein Symbol der Vereinigung von Gegensätzen Die Germanen verwendeten Holunderruten bei Begräbnissen, Hollerbüsche wurden auf Gräbern gepflanzt, wer mit Ahnen kommunizieren wollte, ging zum hofeigenen Holunderbusch
Schutzräucherungen mit Holundermarkt helfen, an der Schwelle zu neuen Schritten im Leben den rechten Zeitpunkt für das Handeln zu finden. Auch die Blüten werden verräuchert um eine leichte, geschützte, unbeschwerte und zuversichtliche Atmosphäre zu schaffen. Mark und Holz werden besonders zu den wichtigen Jahreskreisfesten und in den Raunächten geräuchert. [4]
Dabei rät mir der Holunder, mir nötige Zeit auch zu nehmen, nicht zu hetzen sondern geruhsam an die Arbeit zu gehen. Ich freue mich immer darüber, dass sich die Blüten nicht alle auf einmal öffnen sondern mir oft mehrere Wochen Zeit lassen, sie abzunehmen und zu trocknen oder zu verarbeiten. An sonnigen Standorten blüht der Holunder früher und im Schatten später, doch auch an einem Busch öffnen sich die Blüten nach und nach. Im Herbst ergeht es mit den Beeren genau so, sind die Beeren auf der Schattenseite eines Holunders noch fast grün und unreif können die auf der Sonnenseite bereits geerntet werden und ich kann geruhsam an die Arbeit gehen, ohne befürchten zu müssen, ich verpasse die Ernte.
Die Eldermutter, Erdmutter, Holle, so glaubte man, zieht das Übel in die Unterwelt und läutert es dort zum Guten, bevor dessen Energie wieder an die Oberfläche darf.  Also war der Holunder der Vermittler zwischen der oberirdischen und der unterirdischen Welt, eine Art Tor zur Anderswelt, schon seit keltischen Zeiten. Ein Frevler, der den Holunder stutzte oder sein Holz verbrannte musste damit rechnen, dass die im Holunder gebannten bösen Kräfte auf ihn übergingen.
Im Märchen der Frau Holle ist die Botschaft des Holunders vom rechten Zeitpunkt verborgen. Frau Holle ist die Erdmutter, die an der Wurzel des Holunders lebt, an der Schwelle zwischen diesseitiger und jenseitiger Welt. Die weißen Blüten des Holunders sind wie der Schnee, der fällt wenn Frau Holle ihre Betten ausschüttelt. Seine Beeren sind schwarz wie das Pech, das am Tor über die herabfällt, die die Botschaft der Holle nicht verstehen wollen. Dass sich die Goldmarie beim Spinnen verletzt ist ebenfalls symbolisch – wir erinnern uns an die drei Göttinnen, die am Lebensbaum sitzen und den Lebensfaden der Menschen spinnen, wickeln und abschneiden. Auf der weltlichen Seite trafen sich die Frauen in Spinnstuben um gemeinsam nicht nur Fäden zu spinnen sondern auch um sich die alten Geschichten zu erzählen. Hier wurde über lange Zeit das Wissen verlorener Zeiten noch recht unverhohlen weitergegeben, denn Männer hatten zu den Spinnstuben keinen Zugang. Heute würde man sagen, hier wurden Netzwerke gesponnen, die den Frauen erlaubten, verbotenes Wissen weiterzugeben.
Der Brunnen war der Übergang zwischen der oberen und der unteren Welt, bestimmt stand auch ein Holunder in seiner Nähe. Die kluge Marie, nachdem sie das Tor zur Anderswelt überschritten hatte,  erkannte den richtigen Zeitpunkt, an dem das fertig gebackene Brot aus dem Ofen geholt werden musste oder zu dem die reifen Äpfel geerntet wurden. Halbgebackenes oder verbranntes Brot sind genau so wenig bekömmlich wie unreife oder faule Äpfel. Wer den rechten Zeitpunkt für eine Aufgabe oder eine Idee nicht erkennt, gefährdet in der Symbolik von Apfel und Brot das Überleben, im übertragenen Sinn wird eine zu früh ausgesprochene Idee nicht ernst genommen, hält man sie zu lange zurück ist sie vielleicht schon wieder bedeutungslos und überholt, bevor sie recht zum Tragen kommt. Goldmarie erkannte den Rechten Zeitpunkt, dafür erhielt sie bei ihrer Rückkehr großen Lohn. Die Pechmarie war vor allem auf den Lohn aus, ohne ihre Aufgaben zur rechten Zeit wahrzunehmen und auszuüben. Der Lohn für ihre mangelnde Aufmerksamkeit war holunderbeerschwarzes Pech, das an ihr haften blieb als sie auf die Obere Welt zurückkehrte und noch heute ist „Pech“ ein Wort dafür, dass eine Sache nicht gelungen ist.
Holunder gilt als guter Begleiter in schwierigen Übergangszeiten im Leben. Er hüllt in vertrauensvollen Schutz und wärmende Geborgenheit. Er bringt Menschen, die das Leben als Kampf empfinden neue Perspektiven bei der Problembetrachtung. Die eigenen Wünsche und Aufgaben werden bewusst und wieder mit Energie aufgeladen. Der Boden unter den Füßen wird kraftvoll spürbar und verbindet mit der Energie der Erde. Holunder ist ein Lehrer des Respekts in allen Beziehungen. Er lehrt, alte Erfahrungen und neue Gelegenheiten zu verbinden und sich so immer weiter zu entwickeln.  
Für mich ist daher der Holunder  auch die Pflanze der Übergangszeit zwischen dem völligen Vergessen des Wissens der Kräuterfrauen und deren Rückkehr in die Medizin. Noch ist die rechte Balance zwischen der traditionellen, naturverbundenen Pflanzenmedizin und der rationalen, auf mess- und nachweisbare Substanzen ausgerichtete Schulmedizin nicht hergestellt. Der richtige Zeitpunkt scheint noch nicht ganz gekommen, in der beides selbstverständlich seine jeweils eigenen Domänen hat. Doch sind wir bereits auf dem Weg, in der Sprache des Holunders sind die Blüten auf der Sonnenseite bereits geöffnet und alle andren werden folgen.





[1] (Bühring, 2011) (Bäumler, 2004)
[2] (Losch, 1997 / Reprint aus 1903)
[3] (Stumpf, 3. Auflage 2012)
[4] (Kinkele, 2012)

Freitag, 12. Juli 2013

Beifuß

Artemisia Vulgaris

Geschichten vom Beifuß

Beifuß gehört zu den vergessenen Kräutern. Oft wird der unscheinbare Strauch übersehen, der an Wegrändern, Brachen, Böschungen und Schuttfluren wächst. In der heutigen Heilkunde spielt er eine untergeordnete Rolle, die Kommission E gibt ihm eine Negativmonografie, denn „die Wirksamkeit ….ist nicht belegt“. Dabei stand er bei vielen Völkern weltweit in hohem Ansehen und wird heute noch – oder wieder – auf viele Weisen eingesetzt:
     „Mutter aller Kräuter“ nannte ihn Walahfrid Strabo im Mittelalter und er wurde als Stärkungsmittel, zur Verdauung und als Frauenkraut verwendet.
     Als Frauenkraut „eröffnet Beifuß die verschlossene Mutter und fördert der Frauen Zeit, hilft auch in Kindsnöten, macht wohl harnen, ist gut für den Stein und widerstrebt dem Gift Opium“
     Die Pflanze war in jeder Mythologie den Göttinnen unterstellt: In Griechenland der Artemis, der Göttin der Geburt und Herrin der Waldtiere; in Rom der Diana, der Göttin der Nacht und bei den Nordvölkern der Frau Holle   die weit mehr als eine liebe alte Märchenfigur war; sie galt wie Freya als Urmutter , als Hüterin des Hauses die ihre Wohnung an der Wurzel des Holunder hat. In England ist sie auch die Gänsemutter, der man mit Beifuß geweihte Gänse opferte. Der Brauch der mit Beifuß gewürzten Martinsgans kommt aus dieser vorchristlichen Zeit, die Legende von St. Martin passte man dem alten Brauchtum wohl ein wenig an.
     Der Gürtel  „Megingjardr“ des Germanengottes Thor soll aus Beifuß bestanden haben, auf diese Weise konnte er sich der weiblichen Kraft bedienen, denn Beifuß war dem Weiblichen zugeordnet.
     Darum wandten sich die Menschen zur Sonnwendfeier einen Gürtel aus Beifuß und sprangen damit über das  Feuer.  So sollte sich die Kraft des Feuers auf den Träger übertragen. Dem Gürtel wurde dann alles Schlechte übertragen, das man loswerden wollte und man warf ihn ins Feuer.
     „Etliche meinen, Beifuß habe darum den Namen, so man´s in Schuhen unter den Füßen trägt und über Feld  wandert, soll es vor Müdigkeit bewahren und das sagt auch Plinius, glaub´s wer da will“
     Eine große Bedeutung hatte er auch als „Wundtrank“ und wurde sowohl bei Wunden und Verletzungen als auch bei rheumatischen Beschwerden eingesetzt
     Bei den Cheyenne werden gesammelte Kräuter auf Beifuß  gebettet weil sie damit im geheiligten Kontext bleiben. Die Spitzen des Beifuß werden nach Norden ausgerichtet und die andren Pflanzen in einer ost-west-Achse darübergelegt. Die „Häuptlingspflanze“, also der zuerst geerntete Beifußzweig immer als Grundlage. Die getrockneten Kräuter wurden dann in umgekehrter Reihenfolge verwendet, von oben nach unten und die Häuptlingspflanze zuletzt. Ein solch mächtiges Kräuterbündel wurde niemals da aufbewahrt, wo man wohnte sondern in einem anderen Gebäude
     In China stellt man „Moxastäbe“ her, gepresster Beifuß der zu einer Art Zigarre geformt mit. Mit den entzündeten Stäbchen werden Akupunkturpunkte aktiviert.
     Ein Chinesisches Sprichwort sagt: „Die Blätter des Beifuß können wie Fahnen hundertfach Segen herbeirufen“
     Er wird heute noch – oder wieder – als starke Räucherpflanze verwendet. Dabei soll er Veränderungen im Leben unterstützen, die Intuition, Wissen und das Weibliche stützen. Er öffnet und bereitet den Boden für innere Sammlung und Stärkung vor dem Schritt in eine neue Etappe im Lebens- oder Jahreszyklus
     Beifußräucherungen sollen auch Strahlen und negative Energien abbauen und wird daher auch empfohlen, um Computerräume oder andre mit Elektrosmog belastete Räume zu reinigen
     Früher wurde Beifuß als Schutz vor Gewitter verräuchert.  Der Zusammenhang mit der atmosphärischen Ladung und Strahlungen liegt nahe…
     Es  wurden auch die Viehställe mit Beifuß geräuchert, zum Schutz vor Geistern und vor Blitzeinschlag
     Hellseher(innen) und Hexen sollten ihre Kristallkugel und ihren Spiegel einmal im Jahr mit frischem Beifuß abreiben, das sorge für klare Bilder, so der Glaube
     Im Britischen Sprachraum wird der Beifuß „Mugwurz / Mugwort“ genannt  = wärmen / kräftigen (und irgendwie erinnert mich das an Harry Potters Muggel… )
     Man sollte mit Mugwurz –Blättern den Körper einreiben um so Geister fern zu halten oder eine Halskrause tragen, damit man nicht den Tod herbeiträumt
     Im England des Mittelalter trug man am St. John´s Eve eine Krone aus Mugwort, damit das Böse nicht vom Menschen Besitz ergreifen konnte
     Ich pflanzte  in meinem Garten einen Beifuß und im folgenden Frühjahr verdorrten die Rosen in unmittelbarer Umgebung. Ob´s der archaische Beifuß war, der die gezüchtete Schönheit vertrieb?
    
Merkmale
Beifuß gehört zur Familie der Korbblütler  (Asteraceae), die mehrjährige bis zu 180 cm hohe Staude. wächst an Böschungen, Wegrändern, Waldrändern - in allen Randbezirken der Natur.
Die Blätter und der Stängel sind schwach behaart, der Stängel wächst aufrecht, starr , kantig, oft braunrot überzogen.  Die Stängelblätter sind grob gezähnt bis fiederteilig mit spitzen Zipfeln an der  Oberseite dunkelgrün, kahl, die Unterseite ist grauweiß behaart.  Blütenkörbchen 2-3 mm breit, gelblich braun,  Röhrenblüten zahlreich in langen Rispen

Beifuß wirkt Appetit- und Verdauungsfördernd, Gallenfluss- und Gallebildungsanregend,
antibakteriell, fungizid,
menstruationsauslösend, geburtseinleitend,
erwärmend, schweißtreibend – hilft, die Wärme gleichmäßig im Körper zu verteilen.
Medizinisch wird Beifuß heute durch den Wermut aus der gleichen Pflanzenfamilie ersetzt

Indikationen
Appetitlosigkeit, Magenschleimhautentzündungen, Verdauungsstörungen v.a. Fettverdauung     
       
                       
Nebenwirkungen, Kontraindikationen
Entwicklung einer Korbblütlerallergie
Kontraindikation: Schwangerschaft, da abortiv!
Magische Verwendung

Beifuß ist die Pflanze für alle Übergangszeiten. Er hilft, den richtigen Weg zu finden, Entscheidungen zu treffen und eine eindeutige Haltung einzunehmen. Er verschafft eine klare Sicht und eine eindeutge Haltung Beifuß öffnet das Tor zur Anderswelt und wird daher zum Hellsehen verwendet, so man diese Kunst beherrscht.

Literaturverzeichnis
Bader, M. (2008). Räuchern mit Heimischen Kräutern. Goldmann.
Bäumler, S. (2004). Heilpflanzenpraxis Heute. München: Urban & Fischer.
Botanicus, M. (1995). Magisches Kreutherkompendium. Bürstadt: Esotherischer Verlag & Verlag die Sanduhr.
Bühring, U. (2011). Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag .
Kinkele, T. (2012). Heimische Räucherpflanzen. Oberstdorf: Windpferd.
Losch, D. F. (1997 / Reprint aus 1903). Kräuterbuch, unsere Heilpflanzen in Wort und Bild. Augsburg: Bechtermünz Verlag.
Storl, W.-D. (2010). Pflanzendevas. München: Knaur.
Stumpf, U. D. (2012). Unsere Heilkräuter. Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co Kg.
Stumpf, U. D. (2010). Von Magie bis Phytotherapie. Kandern: MedMedia.







[1] Wird in der Literatur unterschiedlich angegeben



Freitag, 28. Juni 2013

Königskerze


Königskerze   Verbascum  densiflorum / -phlomoides

in meinem Garten blüht sie seit ein paar Tagen wieder und ich hoffe, dass es trocken bleibt, damit ich die zarten Blüten der Königskerze sammeln und für Erkältungstee trocknen oder eine Tinktur ansetzten kann.
Merkmale
Braunwurzgewächs – Scrophulariaceae

Zweijährig, im ersten Jahr entwickelt sich eine grundständige Blattrosette, wie ein Mandala,  aus dicht behaarten, silbrig-grünen Blättern. Daraus wächst im 2. Jahr der bis zwei Meter hohe graufilzige Stängel mit seinen ebenfalls graufilzigen Blättern. Die leuchtend gelben, verwachsenen Blüten erblühen nach und nach, jeweils frühmorgens bis ca. neun Uhr. Bereits am Nachmittag fallen die Blüten wieder ab. So schraubt sich die Blütenpracht über mehrere Wochen zur Spitze des Stängels

Verwendete Teile
Blüten, frühmorgens gepflückt und rasch im Schatten gut getrocknet. Die Blüten sind wasseranziehend und bei unsachgemäßer Lagerung neigen sie dazu, zu schimmeln. Die Blüten müssen sehr vorsichtig abgenommen werden, ohne sie zu drücken. Das gäbe braune Flecken, die vom Aucubin herrühren und sind ein Zeichen für verringerte Wirksamkeit.

Inhaltsstoffe
Ca. 3% Schleimstoffe , Flavonoide, Saponine, Iridoide (z. B. das antibiotisch wirksame Aucubin), wenig ätherische Öle 

Wirkung / Anwendung
*       Kommission E: Katarrhe der Luftwege
*       Reizlindernde Schleimstoffe helfen bei trockenem Husten und Heiserkeit
*       Die Schleimstoffe bewahren die Atemwege vor dem Austrocknen und wehren dadurch eindringende Bakterien ab
*       sie werden ergänzt durch auswurffördernde und sekretlösende Saponine
*       Durch das Aucubin entzündungshemmend, leicht fiebersenkend und beruhigend
*       Aufgrund der milden Wirkung und des feinen Aromas auch für Kinder geeignet
*       Volksmedizinisch: Ein Öl aus Blättern und Blüten bei Verbrennungen, Juckreiz und frischen Narben, bei Magenschleimhautentzündungen und Krämpfen, gegen Ohrenschmerzen und bei Herpes


Darreichungsformen, Zubereitung und Dosierung
*       Kaltauszug - 1 Tl. Droge (getrocknete Pflanzenteile) in einert großen Tasse Wasser mind. 6 Std. oder über Nacht in zimmerwarmem Wasser ziehen lassen. Hilft bei trockenen Schleimhäuten  
*       Teeaufguss mit frisch kochendem Wasser - 1 Tl Droge in einer großen Tasse Wasser, 6-8 Minuten Ziehzeit förderd das Abhusten

o     Beide Zubereitungsarten des Tees sehr gut filtern, die Königskerze hat haarige Staubgefäße, die feinen Härchen können sonst zur Reizung der Atemwege führen
*       Tagesdosis: 3-4 g Droge; 2-3 Tassen Tee über den Tag verteilt
                      

Nebenwirkungen
Nicht bekannt

Wirkung auf die Seele
Majestätisch, stark und aufrecht wächst die Königskerze auf trockenem Rasen oder am Wegrand. Und wie sanft fühlt sie sich an mit ihren weichen, behaarten Blättern.  Genau so verhilft sie uns dazu, unsere eigene Würde und Souveränität zu finden und eine aufrechte innere, wahrhaft königliche Haltung anzunehmen.  Sie hilft, in Zeiten der Verwirrung den Überblick zu finden und stärkt das Vertrauen in die innere Stimme. Sie stärkt die Selbstakzeptanz und unterstützt, die eigene Meinung in die passenden Worte zu fassen. Hildegard von Bingen empfahl Menschen mit einem „traurigen Herzen“ die Königskerze (junge Blätter) mit Fleisch und Fisch zu kochen, dann wird das Herz wieder kräftig und freudig werden.

Magische Verwendung
Planet:                    Sonne und Venus
Element:                 Feuer
Schwingung            heiß / niedrig

Ein Wurzelstück wurde früher als  Schutz-Talisman getragen. Die Vorschriften, wie dieser Talisman ausgegraben werden durfte, waren sehr genau – Tag und Stunde war ebenso festgelegt wie das Werkzeug, mit dem die Wurzel gegraben wurde. Teilweise war der Talisman mit Blattgold überzogen.

Blüten im Kopfkissen sollen vor Albträume und negative Energien schützen

Geschichten rund um die Königskerze

*       Der Name Königskerze hat eine sehr praktische Herkunft. Die Pflanze wurde früher in Wachs, Öl, Harz oder Pech getaucht, angezündet und als Fackel verwendet. Bei den keltischen Sonnenwendfesten wurden diese für die Fackelumzüge benutzt.

*       Eine andere Geschichte zum Namen der Pflanze berichtet: Einst besuchte ein englischer König mit seinem Sohn die Stadt Rom. Sie besuchten auch die Katakomben, doch der treulose Führer verließ sie und sie konnten den Ausgang nicht finden. Doch da begann die Blume, die der Königssohn vor dem Eingang gepflückt hatte, zu leuchten und die beiden fanden den Ausgang. Diese Blume war die Königskerze, die so zu ihrem Namen kam.

*       Die Königskerze heißt auch Wetterkerze und wurde seit jeher für Wetterzauber bzw. zum Abwehren von Unwettern eingesetzt.

*       Kurz vor einem Gewitter wurden Königskerzen häufig zusammen mit Rainfarn verräuchert, um Gewitterschäden abzuwehren. Sie schützt vor Blitzschlägen und hat auch die Kraft andere dunkle Energien abzuwenden.

*       Zwischen dem 15.August und dem 8.September wurde ihre Wurzel rituell gesammelt und zu Amuletten verarbeitet, die Schutz bieten sollen, den Körper stärken und von jeglichem Unheil befreien.

*       Nachts, wenn der Mond scheint, tanzen die Elfen rund um sie und führen ihren Ringeltanz auf. Sie gilt als eine Pflanze, die in ganz engem Kontakt zu den Naturwesen steht.

*       Zur Sommer-Sonnwendfeier wurden mit brennende Besen und Fackeln aus getrockneten, in Pech getauchten Königskerzenstängeln Feuerläufe  zu Ehren der heidnischen Götter gefeiert.

*       Die Königskerze bildete oft die Mitte des – ebenfalls heidnischen – Kräuterbuschens, der zur Sommersonnwende gesammelt wurde. Der Buschen diente als Kräuter-apotheke für Mensch und Vieh.

*       Nach der Christianisierung assimilierte man die heidnischen Götter: Als Muttergotteskraut wird die Königskerze noch heute in die Kräuterbuschen der Frauen als Mittelpunkt mit eingebunden. In der christlichen Mathologie wurde die Königskerze auch „Himmelsbrandt“ genannt. Es gibt Darstellungen der Mutter Gottes, die eine Königskerze als Zepter in der Hand hält. Der Spruch „unsere liebe Frau geht übers Land und hält den Himmelsbrandt in ihrer Hand“ ist auch noch bis heute bekannt.

 
Quellen:
Bäumler, S. (2004). Heilpflanzenpraxis Heute. München: Urban & Fischer.

Botanicus, M. (1995). Magisches Kreutherkompendium. Bürstadt: Esotherischer Verlag & Verlag die Sanduhr.

Bühring, U. (2011). Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag .

Dr. med. Cordelia Alber-Klein, R. H. (2004). Bach-Blüten und neue Blütenessenzen für Frauen. Bindlach: G & U, genehmigte Lizenzausgabe für Gondrom Verlag GmbH.

Storl, W. D. (2010). Die Pflanzen der Kelten. München: Knaur Taschenbuch.

Stumpf, D. r. (3. Auflage 2012). Kräuter für Körper und Seele. Kirchzarten: VAK Verlags GmbH.